Film des Monats Januar/Februar 2006

Munich *****

Humor: ***
Spannung: *****
Action: ****
Gefühl: ***
Anspruch: ****
Erotik: **

Steven Spielberg ist wieder zurück im Filmbusiness! Der Starregisseur erzählt die Geschichte des israelischen Agententeams, das den blutigen Anschlag einer palästinensischen Terrorgruppe auf die israelische Mannschaft an den olympischen Spielen am 11. September 1972 in München rächen soll.

Nun wagt sich Spielberg mit «Munich» an ein Thema, das heikler kaum sein könnte: den Nahostkonflikt. Sein neuster Film erzählt von einem israelischen Agententeam, das den blutigen Anschlag der palästinensischen Terrorgruppe «Schwarzer September» auf die israelische Mannschaft an den olympischen Spielen 1972 in München rächen soll. Bei dem Anschlag kamen elf israelische Sportler um, und die israelische Regierung entschloss sich daraufhin, zurückzuschlagen und elf palästinensische Drahtzieher liquidieren zu lassen - nicht nur aus Rache sondern angeblich auch um die Verhinderung neuer Anschläge gegen Israel.

Der Film setzt mit dem Attentat in München ein, und bereits hier zeigt sich einmal mehr: Wenn Spielberg gut ist, dann ist er unglaublich gut. Wie zu Beginn innerhalb kürzester Zeit die Ausgangslage etabliert wird, wie der Film gekonnt zwischen dem nachgestellten Attentat, authentischem Nachrichtenmaterial und den Reaktionen auf israelischer und palästinensischer Seite hin- und herspringt, um dann in einer Sitzung des israelischen Kabinetts zu enden - das ist grosse filmische Erzählkunst, wie sie nicht viele Regisseure beherrschen. Nur wenige Szenen später ist das fünfköpfige Team um die die Hauptfigur Avner (Eric Bana) bereits in Europa unterwegs, um seinem blutigen Handwerk nachzugehen.

«Munich» erzählt eine in weiten Teilen verbürgte Geschichte, in der in für Hollywood sehr untypischer Weise Gut und Böse immer mehr verwischen, denn je länger das Killerteam unterwegs ist, umso mehr beginnen seine Mitglieder am Sinn ihres Auftrags zu zweifeln. Die Getöteten mögen zwar den Tod verdient haben, sinnvoll werden die Morde dadurch aber nicht, denn jeder Tote wird schon bald durch einen neuen, oft noch radikaleren Nachfolger ersetzt. So befriedigen die Morde zwar einen primitiven Rachedurst, zur Lösung des eigentlichen Konflikts tragen sie aber nicht bei. Am Ende, nachdem sein Team stark dezimiert wurde, steht Avner vor einem Scherbenhaufen; zwar hat er seinen Auftrag zumindest teilweise erfüllt, erreicht hat er allerdings nichts.

Wenn auch manche Stellen ein wenig plakativ geraten sind und einige Szenen unnötig Spannungseffekten aufgeheizt werden, so zeigt sich Spielberg in «Munich» insgesamt doch von seiner ganz meisterhaften Seite. Unterstützt von einem eingespielten Team - allen voran Hauskameramann Janusz Kaminski - gelingt es ihm, eine nervenaufreibende Geschichte ohne eindeutige Parteinahme zu erzählen; letztlich erscheinen die Morde beider Seiten gleich grausam und sinnlos. Der Film endet in Brooklyn, Avner hat ein letztes Gespräch mit seinem Vorgesetzten (Geoffrey Rush) und im Hintergrund ist die Skyline Manhattans zu sehen - Mitte der siebziger Jahre noch vollständig mit World Trade Center. Spielberg erteilt dem «War against Terror» eine deutliche Absage; für den ansonsten unpolitischen Regisseur eine erstaunlich mutige Aussage, mit der er sich bei grossen Teilen seines Stammpublikums sehr unbeliebt machen dürfte. [Text: Simon Spiegel mit div. Änderungen von Steven Christen]


Originaltitel: Munich
Filmlänge: 164min
Land (Jahr): USA (2005)
Genre: Drama, Thriller
Besetzung: Eric Bana (Troy, Hulk), Daniel Craig (James Bond: Casino Royal), Geoffrey Rush (Pirats of the Car
ibbean)
Regie: Steven Spielberg (Saving Private Ryan, Schindler's List)
Drehbuch: Tony Kushner
Kamera: Janusz Kaminski (War of the Worlds, Terminal)
Produktion: Kathleen Kennedy, Barry Mendel, Steven Spielberg, Colin Wilson
Verleih: UIP
Release: 26.01.2006 (dt)

***** Meisterwerk!
**** Unterhaltung pur!
*** Gute Unterhaltung
** Naja...
* Schade fürs Geld